Fahrbarer Jagdansitz: Flexibel im Revier
Mein erster Gedanke bei größeren Wildschäden war, eine flexible Ansitzmöglichkeit direkt an den betroffenen oder besonders gefährdeten Bereichen des Reviers zu schaffen. Wenn man einen ganzen Haferschlag sieht, der von Schwarzwild regelrecht verwüstet wurde, ist es nur allzu verständlich, dass dabei auch Frust und Ärger aufkommen.
Interessanterweise hatte ich in den ersten vier Jahren als alleiniger Pächter eines Reviers im Westerwald überhaupt keine Probleme mit Schwarzwild oder nennenswerten Wildschäden auf landwirtschaftlichen Flächen. Umso deutlicher fielen die Veränderungen auf, als sich die Situation später änderte und erste Schäden auftraten.

ausgediente Anhänger
Bei meiner ersten Einladung als Jungjäger in Sachsen-Anhalt saß ich ebenfalls auf Schwarzwild an – allerdings nicht auf einer Kanzel, sondern in einem ausgedienten Anhänger.
Dieser war zu einem kleinen „Schlafzimmer“ umgebaut worden, mit zwei Betten sowie einem Tisch und einigen Stühlen. Entsprechend komfortabel war der Ansitz, insbesondere bei längeren Nächten.
Allerdings stellt sich dabei die Frage, ob man einen ausgedienten Anhänger einfach im Wald aufstellen darf. Die Antwort ist grundsätzlich nein. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Anhänger jagdlich genutzt wird oder nicht. Selbst die Zustimmung des Wald- oder Grundstückseigentümers genügt in der Regel nicht, um eine solche Nutzung rechtlich abzusichern.
Wird ein solcher Anhänger beispielsweise von einem Spaziergänger oder Wanderer bei der zuständigen Behörde gemeldet, kann dessen Entfernung angeordnet werden.
Wie so oft gilt jedoch auch hier ein alter Grundsatz: Wo kein Kläger ist, da ist auch kein Richter. Das ändert allerdings nichts daran, dass man sich vor einer solchen Lösung über die jeweils geltenden rechtlichen Bestimmungen informieren sollte.

Kanzel auf einem Anhänger
Auch das ist eine Möglichkeit, eine Kanzel schnell und vergleichsweise unkompliziert an den gewünschten Standort zu bringen.
Allerdings stellt sich die Frage, welcher Anhänger dafür verwendet werden soll. Nutzt man einen alten Anhänger, der kaum noch verkehrssicher ist und gerade noch bewegt werden kann? Oder investiert man in einen gebrauchten Anhänger, um darauf eine Kanzel dauerhaft aufzubauen?
Unabhängig von diesen Überlegungen gibt es einige Punkte zu beachten. Der Anhänger muss zugelassen sein, und für das Abstellen ist selbstverständlich die Zustimmung des Wald- oder Grundstückseigentümers erforderlich.
Ein wesentlicher Nachteil sind die laufenden Kosten. Neben der Versicherung müssen regelmäßig die Hauptuntersuchungen durchgeführt werden. Gerade bei Anhängern, die überwiegend an einem Standort stehen und nur selten bewegt werden, können dabei Probleme auftreten.
Ich habe bereits mehrfach Revierpächter erlebt, die erhebliche Schwierigkeiten hatten, ihren Kanzelanhänger erneut durch den TÜV zu bringen. Oft sind sogenannte Standschäden die Ursache. Wenn ein Anhänger über längere Zeit mit dem Gewicht einer Kanzel an derselben Stelle steht, können beispielsweise die Reifen Schaden nehmen und müssen ersetzt werden.
Hinzu kommen weitere praktische Probleme. Nicht selten werden Kennzeichen gestohlen oder beschädigt, was zusätzlichen Aufwand verursacht.
So praktisch eine mobile Kanzel auf einem Anhänger zunächst erscheinen mag, sollte man die laufenden Kosten und den Wartungsaufwand bei der Planung nicht unterschätzen.

Macht eine fahrbare Kanzel Sinn?
Einen Anhänger besitzen die meisten Revierpächter ohnehin. Schließlich muss er nicht nur für Arbeiten im Revier zur Verfügung stehen, sondern auch für den Wildtransport.
Manchmal hat man dabei sogar besonders erfolgreiches Waidmannsheil. Wer innerhalb kurzer Zeit mehrere Stücke Schwarzwild erlegt, weiß, dass diese anschließend geborgen, aufgebrochen, versorgt und transportiert werden müssen.
Heute würde ich manche Situationen allerdings anders beurteilen als früher. Wer schon einmal mehrere Sauen hintereinander aufgebrochen, abgeschwartet, zerwirkt und vakuumiert hat, weiß genau, welcher Arbeitsaufwand dahintersteht.
Natürlich könnte man eine auf einen Anhänger aufgebaute Kanzel bei Bedarf an einen anderen Standort versetzen. Dennoch stellt sich die Frage, ob es nicht sinnvoller wäre, an geeigneten Stellen von vornherein eine feste Ansitzmöglichkeit zu errichten. Diese muss nicht zwangsläufig als geschlossene Kanzel ausgeführt werden.
Ich habe auch schon im Schwarzwald bei tiefem Schnee und Temperaturen von minus 15 Grad Celsius angesessen. Unter solchen Bedingungen lernt man schnell, worauf es beim Ansitz wirklich ankommt.
Aus meiner Sicht bietet eine fahrbare Kanzel im eigenen Revier daher nur begrenzte Vorteile. Fehlt an einer Stelle dauerhaft eine Ansitzmöglichkeit, wurden die Wildwechsel häufig nicht richtig erkannt oder bei der Revierplanung übersehen. Und wenn der Wildschaden bereits entstanden ist, kommt eine neue Kanzel in vielen Fällen ohnehin zu spät.
Hinzu kommt, dass insbesondere Schwarzwild und Rotwild auf Veränderungen im Revier oft sensibel reagieren. Eine neu aufgestellte Kanzel bedeutet deshalb nicht automatisch sofortigen Jagderfolg. Es kann durchaus vorkommen, dass man dort über Wochen hinweg ohne jeden Anblick ansitzt.
Eine einfache, zweckmäßige Kanzel lässt sich dagegen mit überschaubarem Materialaufwand selbst bauen. Für die Kosten einer fahrbaren Lösung erhält man oft bereits das Material für eine solide feste Ansitzeinrichtung.
