In der eigenen Jagd – Erfahrungen, Tipps & Praxiswissen

24. Jan. 2026

Schlafkanzel
Jagdhütte

In der eigenen Jagd – Erfahrungen, Tipps und Praxiswissen

Ein Laie kann den „Lebenswandel“ eines Jägers oft nicht nachvollziehen. Jäger, die in einer Familie aufgewachsen sind, in der bereits andere Familienmitglieder jagen, haben damit in der Regel kein Problem.

Aber was macht den Lebenswandel eines Jägers so besonders?

Ich selbst bin nicht aus Überzeugung Jäger geworden, sondern wollte ursprünglich nur Waffen führen dürfen – damals noch möglich mit einem Jagdschein. Erst mit meiner ersten Jagdeinladung in Sachsen-Anhalt änderte sich meine Einstellung komplett. Mit dieser Einladung wurde ich auch in den Kreis der „Alt-Jäger“ aufgenommen – und das ist nicht so einfach.

Gleich am zweiten Tag durfte ich gleich zweimal „Waidmannsheil“ erleben.

Kanzel

als Jungjäger in die Lehre

Der Einstieg in die Jagdpraxis ist oft steinig. Während manche über persönliche Kontakte direkt an seriöse Einladungen kommen, bleibt für viele Jungjäger nur der Gang zum Hegering-Stammtisch. Doch die Hoffnungen werden dort oft enttäuscht.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass manche Revierinhaber junge Jäger vor allem als kostenlose Arbeitskraft für Revierarbeiten einplanen. Die versprochene Jagdgelegenheit entpuppt sich dann häufig als Ansitz an unattraktiven Plätzen. Die Realität sieht oft so aus: Entweder erkauft man sich den Zugang über hohe Hegebeiträge oder man dient sich als handwerkliche Hilfskraft an, um überhaupt eine Chance auf Jagdanschluss zu erhalten.

Kanzel

Jagen in der Eifel

Für meinen ersten „unentgeltlichen“ Begehungsschein habe ich damals 12.000 DM bezahlt. Dafür hatte ich freie Büchse und konnte sogar Gäste mitbringen – ohne Verpflichtung zur Mithilfe im Revier. Ja, das gibt es tatsächlich. Nur: Wer möchte gleich so viel Geld ausgeben?

Es handelte sich um ein Hochwildrevier mit Rotwild als Standwild und reichlich Rehwild. Es waren zwei sehr schöne Jagdjahre.

Ein weiterer Glücksfall war der dortige Jagdaufseher, ein älterer Landwirt aus dem Dorf. Ich glaube, er kannte jedes Stück Wild beinahe beim Vornamen. Von ihm konnte ich unglaublich viel lernen, und er hat sein Wissen ganz bewusst weitergegeben. Ein sehr ehrlicher Mann.

Jagdhütte

Jagen im Schwarzwald

Nachdem ich mein Arbeitsumfeld in die Schweiz verlagert hatte, pachtete ich über einen entgeltlichen Begehungsschein 185 Hektar reine Waldjagd in Eisenbach im Schwarzwald. Laut Abschussplan waren 14 Stück Rehwild vorgesehen.

„Sollte der Plan vorzeitig erfüllt sein, erhalten Sie einen neuen Plan“, waren die Worte des Försters. Ja, so läuft es in Staatsrevieren. Dort gilt sinngemäß: Nur erlegtes Rehwild zählt.

In diesem Jahr hatte ich allerdings nur sehr wenig Anblick und konnte lediglich drei Stück Rehwild erlegen. Anders sah es beim Schwarzwild aus. Wie auch immer – die Jagdhütte war traumhaft und letztlich auch der Hauptgrund, warum ich dieses Revier übernommen habe.

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Jagen im Kreis Vogelsberg

Aufgrund einer Anzeige in einer Fachzeitschrift kam ich in Kontakt mit einem Pächter eines Reviers im Vogelsbergkreis, dem finanziell das Geld ausgegangen war. Er wollte das Jagdrevier abgeben. Der Preis war nahezu ein Witz: 5,00 Euro pro Hektar.

Das Revier war vollständig von privaten Jagdrevieren umgeben, einige Grenzen verliefen entlang von Waldrändern. Der Wildbestand war enorm – allerdings auch der Schwarzwildbestand.

Innerhalb der Jagdgenossenschaft ließ ich mich zu einer „Teilung“ des Reviers überreden und ging darauf ein. Ein fataler Fehler.

Der Altpächter wohnte weiterhin im Dorf und bejagte während meiner Abwesenheit das komplette Revier. Schon nach kurzer Zeit wurden zudem „meine“ ohnehin schon recht baufälligen Ansitze so sabotiert, dass ein Ansitzen kaum noch möglich war.

Nach wenigen Monaten kündigte ich die Jagd und habe seitdem nie wieder etwas davon gehört.

Was sagt uns das? Niemals – wirklich niemals – ein Jagdrevier gemeinsam mit einem zweiten Pächter übernehmen. Ich habe noch nie erlebt oder davon gehört, dass eine solche Jagdpacht bis zum Ende friedlich verlaufen ist.

Jagdhütte

Jagen im Westerwald

An dieses Revier kam ich über einen Jagdkollegen. Für einen „Fremden“ ist es dort nahezu unmöglich, ein Revier zu pachten. Es handelte sich um 635 Hektar, bei einem Pachtpreis von 22 Euro pro Hektar plus Steuer. Vor Ort gab es einen Jagdaufseher, Wildschäden durch Sauen waren kaum vorhanden, und der Niederwildbestand war sehr gut. Maisanbau gab es nicht, das Verhältnis von Wald zu Feld lag bei etwa 50:50.

Gleichzeitig erhielt ich einen großzügigen Platz beim Jagdvorstand, um meinen Wohnwagen als Unterkunft aufzustellen – inklusive aller Anschlüsse. Also alles, was man als Jäger benötigt.

Dort habe ich sehr schöne Jagdjahre verbracht, allerdings auch mit einigen Schwierigkeiten innerhalb des Hegerings. Schon im ersten Jagdjahr wurde ich in die Richterrunde des Hegerings zur Bewertung von Trophäen eingeladen – und das, obwohl ich persönlich eigentlich nur am Wildbret interessiert bin und Trophäen nur als Kriterium für die Auswahl des Abschusses betrachte.

Das erste Jagdjahr war traumhaft. Wenig Fallwild, wenige Stücke ausgemäht, sehr gute Abschüsse. Die Dorfkneipe nach dem Ansitz war wie ein zweites Zuhause, und die Chemie zwischen dem Jagdaufseher und mir stimmte perfekt.

Bis eines Abends ein Autofahrer ein Kitz angefahren hatte, und ich zum Unfallort gerufen wurde, da mein Jagdaufseher verhindert war. Der Fahrer war selbst Polizist – allerdings nicht im Dienst – und versuchte, „Spuren“ an seinem Fahrzeug zu dokumentieren, um einen Versicherungsschaden geltend zu machen.

In der Zwischenzeit kam ein Kollege in Uniform, um den Unfall aufzunehmen. Auf meine Frage, wo das Stück liege und ob es tot sei, konnte der Fahrer keine Auskunft geben. Offenbar war ihm der „Schaden“ am Auto wichtiger. Nach kurzer Nachsuche fand ich das Kitz tot am Straßenrand.

Zurück bei den Fahrzeugen bat mich der Fahrer um eine Bestätigung für seine Versicherung. Dies verweigerte ich und verwies auf seinen Kollegen, der sich gerade entfernen wollte. Ich hielt ihn jedoch zurück und bat um einen Moment.

Ich erklärte ihm, dass ich das tote Kitz nicht in Besitz nehmen werde und dass es nun von der Stadt entsorgt werden muss. Sein Gesicht werde ich nicht vergessen – er wusste offenbar nicht, dass ich jagdausübungsberechtigt und Pächter des Reviers war. Er akzeptierte die Situation, und wir verließen gemeinsam den Unfallort

Was war geschehen und wie ging es weiter?

So etwas hatte es in diesem Kreis bisher noch nicht gegeben: Ein Jäger verweigerte die Entsorgung von Fallwild. Allein die Entsorgung eines Stückes Fallwild kostet die Stadt oder den Kreis knapp 100 Euro.

Auf den Preis der Jagdpacht kamen damals zusätzlich 19 % „Jagdsteuer“ obendrauf – wofür genau, blieb unklar. In der Zwischenzeit wurden auch die Jagdgesetze weiter verschärft: Höchstgeschwindigkeiten an Wildwechseln im Revier wurden nicht gesenkt, Kirrungen mussten exakt gemeldet werden, das Anfüttern wurde nahezu komplett verboten – alles nach Vorstellungen grüner Illusionen und utopischer Ideen.

In der Folge wurde ich schnell zum „schwarzen Schaf“ im Hegering. Kontakte brachen ab, Einladungen kamen nicht mehr.

Doch nur ein Jahr später geschah das Überraschende: Alle Hegeringe standen auf, forderten die Abschaffung der Jagdsteuer und riefen alle Jäger dazu auf, kein Fallwild mehr zu entsorgen. Die Jagdsteuer wurde schließlich aus diesen Gründen abgeschafft.

Und warum? Weil jemand aufgestanden ist und sich gegen die Bevormundung gewehrt hat. Ja, ich war der Erste, der diesen Stein ins Rollen brachte.

Aufgabe der Jagd

Lange hat es in mir gebrodelt. Immer mehr Auflagen und Verbote in der Jagd, plötzlich Maisanbau auf über zehn Hektar und damit erheblicher Wildschaden, immer weniger Unterstützung beim Abschuss von Sauen. Ich bin davon fest überzeugt, dass ein Großteil dieser "Jäger" nachts Angst im Wald haben. Außerdem fehlt ja nach einem Sauenansitz der gemütliche Abend am Tisch in der Kneipe.
Kollegen, die ich auf einen Reh- oder Rotwildansitz am Tage eingeladen hatte, standen innerhalb von wenigen Stunden auf der Hausmatte. Genau diejenigen, deren Mutter plötzlich krank waren oder ander "wichtigen" Termine hatten.

Dann der Einsatz der Kreiselmäher, die mir in einem Jagdjahr acht Kitze getötet haben. Diese Verluste tun mir nicht nur sehr leid, sie wirken sich auch direkt auf den Abschussplan aus.

Der Jagdaufseher machte sein eigenes Ding und berechnete Kosten, die faktisch gar nicht entstanden waren.

Wie auch immer – die Jagd wurde schließlich von einem Begehungsscheininhaber vollständig übernommen. Mit zwei Wohnwagen, Geländewagen, Anhänger, Ansitzen und einer Wildkammer vom Feinsten – alles kostenlos. Ich wollte zu diesem Zeitpunkt einfach nur wieder Ruhe haben.

 

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